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Neuer Lockdown bremst Konjunkturerholung

Die zweite Corona-Welle bremst am Jahresanfang 2021 die Aufholbewegung der Wirtschaft im IHK-Bezirk Heilbronn-Franken. Dennoch schätzen die Unternehmen die aktuelle Geschäftslage im 4. Quartal 2020 geringfügig besser als in den Vormonaten ein. Konjunkturmotor ist derzeit die Industrie. Hier fallen die Lageurteile spürbar positiver als in den Vormonaten aus. Zudem bleibt die Baukonjunktur bei einer leichten Eintrübung auf hohem Niveau. Der Handel meldet dagegen deutlich schlechtere Geschäfte und auch die Dienstleister schätzen ihre Lage trotz einer Erholung überwiegend negativ ein. Die Geschäftsaussichten bleiben auf dem Niveau des Vorquartals. Es besteht allerdings vorsichtiger Optimismus.

Die aktuelle Geschäftslage wird von den regionalen Unternehmen insgesamt noch etwas besser als im Vorquartal beurteilt. Ein Drittel (Vorquartal 30 Prozent) der an der Umfrage teilnehmenden Betriebe bezeichnet die aktuelle Lage als gut, während 22 Prozent (Vorquartal 28 Prozent) mit dem Geschäftsverlauf unzufrieden sind. Die Geschäftserwartungen der Betriebe sind gegenüber dem Vorquartal per saldo stabil geblieben. Während wie im Vorquartal 30 Prozent mit einem günstigeren Geschäftsverlauf rechnen, blicken 21 Prozent mit Skepsis in die Zukunft. Vom Vorkrisenniveau ist die regionale Wirtschaft allerdings noch deutlich entfernt. Nur 16 Prozent der Unternehmen arbeiten bereits wieder auf Vorkrisenniveau. 42 Prozent rechnen im Jahresverlauf mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit. Etwas mehr als ein Fünftel kalkuliert im Jahr 2022 mit einer Rückkehr zur Normalität. 78 Prozent (Vorquartal 74 Prozent) sehen in der Corona-Pandemie das größte Geschäftsrisiko. Der Fachkräftemangel stellt für 30 Prozent (Vorquartal 36 Prozent) ein Geschäftshemmnis dar. Trotz des Lockdowns entwickelt sich der Arbeitsmarkt robust. 15 Prozent (Vorquartal 13 Prozent) der Unternehmen wollen neue Arbeitsplätze schaffen, während 24 Prozent (Vorquartal 27 Prozent) einen Personalabbau erwägen.

IHK Hauptgeschäftsführerin Elke Döring:

„Es herrscht vorsichtiger Optimismus. Rund ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie haben sich die Lageurteile der Betriebe gegenüber den Vormonaten zwar erneut verbessert, vom Vorkrisenniveau ist die regionale Wirtschaft am Jahresanfang 2021 jedoch noch deutlich entfernt.“

coronavirus

Die wirtschaftliche Aufholbewegung verläuft durch den neuen Lockdown langsamer als erhofft. Die Entwicklung der Wirtschaft bleibt zweigeteilt. Einem von sozialen Kontakten stärker abhängigen und daher durch die Pandemie stark beeinträchtigten Handels– und Dienstleistungssektor steht eine sich robust entwickelnde Industrie gegenüber. Elke Döring: „Nach wie vor bedarf es vor allem einer wirksamen Unterstützung der vom Lockdown hart getroffenen Betriebe, einer Zurückdrängung der Neuinfektionen sowie einer effektiven Impfstrategie. Mit der dann möglichen schrittweisen Rückkehr des öffentlichen Lebens dürfte eine kräftigere Erholung ab dem Frühjahr zu erwarten sein.“

Industrie

Im Branchenvergleich hat sich im 4. Quartal 2020 die Industrie, die maßgeblich die regionale Wirtschaftsentwicklung bestimmt, am besten entwickelt. Die aktuelle Geschäftssituation wird spürbar besser beurteilt als im Vorquartal. Der Saldo aus positiven und negativen Stimmen nähert sich mit 18 Prozent dem Vorkrisenniveau wieder an (Vorquartal 25 Prozent). 35 Prozent (Vorquartal 25 Prozent) der Unternehmen bezeichnen den Geschäftsverlauf als gut, während 17 Prozent (Vorquartal 30 Prozent) mit der aktuellen Geschäftslage nicht zufrieden sind. Gegenüber dem Vorquartal haben die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland erneut weiter zugenommen. Dies deutet darauf hin, dass die Industrie – anders als noch im Frühjahr – von den Lockdown-Maßnahmen bisher weniger stark betroffen ist. 38 Prozent (Vorquartal 23 Prozent) der Betriebe konnten einen Zuwachs der Auslandsorders verbuchen. 19 Prozent (Vorquartal 28 Prozent) mussten einen Rückgang hinnehmen. Bei den inländischen Auftragseingängen berichten 31 Prozent (Vorquartal 23 Prozent) über einen Anstieg, während 21 Prozent (Vorquartal 27 Prozent) über Einbußen klagen. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung ist auf 80 Prozent (Vorquartal 77 Prozent) gestiegen. Auch die Beurteilung des weiteren Geschäftsverlaufs fällt erneut optimistischer als im Vorquartal aus. 38 Prozent (Vorquartal 36 Prozent) der Betriebe blicken zuversichtlich in die Zukunft, während 11 Prozent (Vorquartal 16 Prozent) mit einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung rechnen. 55 Prozent erwarten im 2. Halbjahr 2021 bzw. im Jahr 2022 eine Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit. 43 Prozent (Vorquartal 36 Prozent) kalkulieren mit steigenden Umsätzen. Die Exporterwartungen haben deutlich zugenommen. 39 Prozent (Vorquartal 30 Prozent) erwarten ein steigendes Auslandsgeschäft, 14 Prozent (Vorquartal 25 Prozent) rechnen mit sinkenden Exporten. Auch die Investitionsabsichten der Unternehmen haben sich spürbar verbessert. 36 Prozent (Vorquartal 20 Prozent) planen mit höheren Inlandsinvestitionen, während 23 Prozent (Vorquartal 34 Prozent) ein sinkendes Investitionsniveau vorsehen. Bei den Beschäftigungsplanungen rechnen 17 Prozent (13 Prozent) mit einem Personalaufbau. 23 Prozent (Vorquartal 35 Prozent) erwägen einen Beschäftigtenabbau.

Baugewerbe

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Das Stimmungsbild im regionalen Baugewerbe hat sich gegenüber dem Vorquartal auf hohem Niveau per saldo verschlechtert. Während 59 Prozent (Vorquartal 74 Prozent) der Betriebe die aktuelle Geschäftslage als gut bezeichnen, sind 7 Prozent (Vorquartal 0 Prozent) mit dem aktuellen Geschäftsverlauf unzufrieden. Auch die Auftragseingänge insgesamt fallen negativer als im Vorquartal aus. 5 Prozent (Vorquartal 13 Prozent) melden steigende Auftragseingänge, ein Drittel berichtet wie im Vorquartal von einem Rückgang. Lediglich im Wohnungsbau sind die Auftragseingänge per saldo stabil geblieben. Im Straßen- und Tiefbau, im öffentlichen Hochbau und im gewerblichen Hochbau ist dagegen ein spürbarer Auftragsrückgang zu verzeichnen. Die Auslastung von Maschinen und Geräten lag bei 81 Prozent (Vorquartal 80 Prozent). Auf die kommenden zwölf Monate blicken die Bauunternehmen weiterhin eher skeptisch. Nur 4 Prozent (Vorquartal 8 Prozent) der Betriebe erwarten einen günstigeren Geschäftsverlauf. 28 Prozent rechnen wie im Vorquartal mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung. Neben dem Fachkräftemangel (70 Prozent) wird die Corona-Pandemie (67 Prozent) als größtes Geschäftsrisiko betrachtet. 85 Prozent (Vorquartal 76 Prozent) rechnen mit einer gleich bleibenden Beschäftigtenzahl. 9 Prozent (Vorquartal 18 Prozent) planen Neueinstellungen.

Handel

Im Bereich des Großhandels fällt die Lageeinschätzung im positiven Bereich ungünstiger als im Vorquartal aus. 35 Prozent (Vorquartal 47 Prozent) der Großhändler sprechen von einem guten Geschäftsverlauf, während sich 27 Prozent (Vorquartal 21 Prozent) der Betriebe unzufrieden über die Geschäftslage äußern. Sowohl der produktionsverbindende als auch der konsumnahe Großhandel melden schlechtere Geschäfte. Auch das Bestellverhalten fällt zurückhaltender als im Vorquartal aus. 24 Prozent (Vorquartal 26 Prozent) der Betriebe melden steigende Bestellungen. 30 Prozent (Vorquartal 12 Prozent) klagen über einen Rückgang. Größte Geschäftsrisiken sehen die Großhändler in der Corona-Pandemie mit 81 Prozent und in der Inlandsnachfrage mit 60 Prozent. Ein Viertel (Vorquartal 18 Prozent) rechnet mit einem günstigeren zukünftigen Geschäftsverlauf, 28 Prozent (Vorquartal 18 Prozent) blicken skeptisch in die Zukunft. Ein Fünftel erwägt einem Personalabbau, 7 Prozent planen Neueinstellungen.

Die Stimmung im regionalen Einzelhandel hat sich gegenüber dem Vorquartal per saldo verschlechtert. 47 Prozent (Vorquartal 57 Prozent) der Einzelhändler sprechen von einem guten Geschäftsverlauf, während 28 Prozent (Vorquartal 25 Prozent) die aktuelle Lage als schlecht bezeichnen. Deutlich unter dem Durchschnitt aller Einzelhändler liegen dabei die Lageurteile im Facheinzelhandel, der besonders unter den Maßnahmen der Pandemiebekämpfung leidet. Die Einschätzung der Konsumbereitschaft der Kunden fällt im 4. Quartal 2020 insgesamt ähnlich wie im Vorquartal aus. 41 Prozent (Vorquartal 35 Prozent) der Einzelhändler bezeichnen das Kaufverhalten der Kunden als kauffreudig. Ein Viertel (Vorquartal 31 Prozent) stuft das Kaufverhalten als saisonüblich angemessen ein. 34 Prozent (Vorquartal 35 Prozent) sprechen von einem zurückhaltenden Kaufverhalten. Die Auswirkungen des harten Lockdowns seit Mitte Dezember 2020 machen sich vor allem in sehr pessimistischen Umsatz– und Geschäftserwartungen bemerkbar. Nur ein Zehntel (Vorquartal 38 Prozent) der Betriebe erwartet Umsatzsteigerungen. 45 Prozent (Vorquartal 35 Prozent) rechnen mit Umsatzeinbußen. Ebenfalls ein Zehntel (Vorquartal 31 Prozent) der Einzelhändler rechnet mit einer günstigeren zukünftigen Geschäftsentwicklung, 43 Prozent (Vorquartal 35 Prozent) blicken hingegen pessimistisch in die Zukunft. Größte Geschäftsrisiken werden in der Corona-Pandemie (63 Prozent) und in der Inlandsnachfrage (38 Prozent) gesehen. 21 Prozent (Vorquartal 19 Prozent) wollen ihre Beschäftigtenzahl erhöhen. 17 Prozent (Vorquartal 22 Prozent) erwägen einen Personalabbau.

Dienstleistungsgewerbe

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Die Beurteilung der konjunkturellen Situation durch die regionalen Dienstleister fällt per saldo etwas günstiger als im Vorquartal aus. Nach wie vor überwiegen jedoch die negativen Stimmen. 23 Prozent (Vorquartal 18 Prozent) der Unternehmen melden eine gute Geschäftslage, während 30 Prozent (Vorquartal 36 Prozent) mit dem aktuellen Geschäftsverlauf nicht zufrieden sind. In den einzelnen Teilbereichen zeigen sich große Unterschiede. Im Bereich der ITK-Dienstleister und der Arbeitnehmerüberlassung liegen die Lageurteile erheblich über dem Durchschnitt aller Dienstleister, während unter anderem die Reisevermittler weiterhin stark von der Pandemie betroffen sind. Ein Fünftel (Vorquartal 17 Prozent) der Dienstleister insgesamt meldet steigende Umsätze. 59 Prozent (Vorquartal 61 Prozent) klagen dagegen über Umsatzeinbußen. 23 Prozent (Vorquartal 22 Prozent) verbuchten steigende Auftragsvolumina, 38 Prozent berichten wie im Vorquartal von einem Rückgang. 30 Prozent (Vorquartal 32 Prozent) der Betriebe rechnen mit einem günstigeren zukünftigen Geschäftsverlauf, ein Viertel (Vorquartal 23 Prozent) blickt mit Skepsis in die Zukunft. Größte Geschäftsrisiken stellen die Corona-Pandemie (84 Prozent) und die Inlandsnachfrage (71 Prozent) dar. 17 Prozent (Vorquartal 14 Prozent) planen Neueinstellungen, 26 Prozent (Vorquartal 24 Prozent) wollen Personal abbauen.

Hotel- und Gaststättengewerbe

Die Lagebeurteilung im Hotel- und Gaststättengewerbe, das bei den Ergebnissen zu den Dienstleistern nicht mit einbezogen ist, hat sich aufgrund des zweiten Lockdowns gegenüber dem Vorquartal erneut drastisch verschlechtert. Kein Betrieb (Vorquartal 26 Prozent) hält die aktuelle Geschäftslage für gut, 81 Prozent (Vorquartal 47 Prozent) sprechen von einem schlechten Geschäftsverlauf. 81 Prozent erwarten im Jahr 2020 einen Umsatzrückgang von über 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 62 Prozent berichten von einem Eigenkapitalrückgang. 14 Prozent droht eine Insolvenz. 68 Prozent (Vorquartal 64 Prozent) erwarten eine schlechtere zukünftige Entwicklung.

An der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken haben 443 Unternehmen mit rund 93.000 Beschäftigten aus dem gesamten IHK-Bezirk teilgenommen.

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